Ausbildung oder Studium? Wo liegen die Unterschiede?
Für viele Junge Menschen ist eine Ausbildung in den letzten Jahren eher die „zweite Wahl“ gewesen, kein Wunder, ist doch der Satz „Mach was aus dir“ einer der Lieblingssprüche von Eltern in den letzten Jahren gewesen. Gemeint ist jedoch nicht: „Mach was dir liegt und Spaß macht“, sondern: „Studiere was womit man gut Geld verdient“.
Doch stimmt das immer noch? Wir versuchen, eine Antwort darauf zu bekommen.
Inhaltsverzeichnis
Während die Anzahl von Studierenden seit Jahren stetig steigt, der Konkurrenzkampf unter Absolventinnen und Absolventen zunimmt und KI Tausende von Einstiegsstellen ersetzt, bleiben in Ausbildungsbetrieben gleichzeitig über 54.000 Lehrstellen unbesetzt.
Deswegen lohnt sich für Schülerinnen und Schüler 2026 ein besonderer Blick auf Ausbildungsberufe in Bereichen mit besonders hohem Fachkräftemangel, denn diese bieten zurzeit bessere Möglichkeiten „etwas aus sich zu machen“ als man denkt:
- Handwerk (z.B.: Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik)
- Industrie (z.B.: Mechatroniker, Elektrotechnik, Metallbearbeitung)
- Gesundheit (z.B.: Pflege, Zahnmedizin, Allgemeinmedizin)

Eine Ausbildung dient dazu, einen speziellen Beruf in einem Unternehmen zu erlernen. Die Ausbildung besteht aus einem intensiven und strukturierten Mix aus praktischem und theoretischem Unterricht, der bundeseinheitlich geregelt ist.
Viele Unternehmen setzen für die praktische Ausbildung auf Lehrwerkstätten oder die Verbundausbildung, bevor die Azubis in den regulären Produktionsablauf, bzw. Arbeitsalltag, integriert werden.
Ein Studium bereitet auf die Tätigkeiten in einem bestimmten Berufsfeld vor. Es ist vor allem theoriebasiert und wird an einer Universität oder Fachhochschule absolviert.
Wer nach einem bestimmten Studium einen Beruf ausüben möchte, muss in manchen Fällen ein Volontariat, Approbation, Referendariat oder Trainee-Programm absolvieren, bevor man mit der eigentlichen Tätigkeit starten kann.
Für viele Schülerinnen und Schüler ist es wahrscheinlich die wichtigste Frage, sobald sie auf Ihren Schulabschluss zusteuern. Und obwohl sich diese Frage jährlich Tausende von neuem stellen, gibt es auf sie keine klare Antwort.
Vielmehr geht es um die Frage, was passt besser zu mir.
Ein Studium ist für dich geeignet, wenn du bereits zu deiner Schulzeit ein hohes Maß an Selbstorganisation, Motivation und Eigenverantwortung an den Tag legst. Du bist ein Freigeist, arbeitest gerne wann und wie es dir am besten passt, damit du neben dem Lernen noch Zeit für Engagement in Vereinen oder für private Projekte hast.
Dein Abitur hast du überdurchschnittlich abgeschlossen, weil du schon währenddessen nicht genug von weiteren Hintergrundinformationen zu den verschiedensten Themenbereichen erlangen konntest.
Geld spielt für dich zunächst eine kleinere Rolle, wichtig ist dir, dass du deine Ziele erreichen kannst.
Vorteile eines Studiums
- Flexibilität und freie Entfaltung
- Langfristig mehr Gehalt als bei einer Ausbildung
- Persönliche Entwicklung durch Projekte und studentische Vereine
- Netzwerkaufbau
Nachteile eines Studiums
- Häufig sehr gutes Abitur nötig
- Hoher Konkurrenzkampf
- Geringer Praxisbezug
- Kein Gehalt
- Hoher Zeitaufwand
- Wenig direkte Betreuung
- Für Berufseinsteiger tlw. Volontariat oder Trainee-Programm als weitere Ausbildung nötig
- Späterer Einstieg in die Rentenversicherung
Eine Ausbildung lohnt sich für dich vor allem dann, wenn deine Stärken in der Praxis liegen. Du bist ein Macher, deswegen hattest du in der Schule vor allem dann Spaß, wenn es um praktische Experimente, Basteln oder Gruppenarbeiten ging.
Für die Zukunft möchtest du schnell auf eigenen Beinen stehen und Geld verdienen. Deine Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein haben noch nicht ihr volles Potenzial erreicht, deswegen suchst du vor allem nach Angeboten, bei denen du angeleitet wirst und dich nicht darum kümmern musst, was als nächstes kommt.
Vorteile einer Ausbildung
- Strukturierter und vorgegebener Bildungsweg
- Gehalt
- Abitur ist nicht zwingend nötig
- Ständige Begleitung durch einen Ausbilder bzw. eine Ausbilderin
- Praktische Inhalte lernen
- Frühe Einzahlung in die Rentenversicherung
- Viele freie Stellen und Zukunftsperspektiven
Nachteile einer Ausbildung
- Wenig Flexibilität und keine freie Zeiteinteilung
- Festlegen auf einen bestimmten Beruf
- Langfristig eher weniger Gehalt als Akademiker
| Ausbildung | Studium | |
|---|---|---|
| Dauer | 2 bis 3,5 Jahre | 3 bis 6,5 Jahre (Grundstudium) |
| Gehalt | Ja | Nein |
| Voraussetzung | i.d.R. mindestens Hauptschulabschluss | Abitur (tlw. auch Ausbildung) |
| Durchführung | Mix aus Theorie und Praxis | Überwiegend theoretisch |
| Qualifikation für | einen bestimmten Beruf | mehrere Berufe |
| Weiterbildungsmöglichkeiten | Meister/ Fachwirt/ Betriebswirt | Master/ Doktor/ Professur |
| Selbstorganisation | Gering | Hoch |
| Ort | Unternehmen | Universität/ Fachhochschule |
- Lerntyp ermitteln – Lernst du eher praktisch oder theoretisch?
- Stärken analysieren – Was kannst du besonders gut? Hierzu hilft es auch Freunde und Familie zu fragen.
- Berufs- und Studienfelder entdecken – Informiere dich auf verschiedenen Plattformen über die Vielfalt der Berufswelt
- Informieren zum Wunschberuf – Vergleiche deine Berufs- und Studienwünsche miteinander und wähle, was am besten zu dir passt.
- Praktikum und ausprobieren – Probiere dich in Praktika in deinem Wunschberuf und alternativen Berufen aus, nutze die Berufsorientierung deiner Schule.
- Ausbildungsbetriebe/ Unis finden – Informiere dich im Internet, bei Bewerbertagen und auf Messen, wo du deine Ausbildung oder dein Studium machen möchtest
- Bewerben – Bereite deine Bewerbungsunterlagen vor und verschicke sie an die Firmen, bzw. Universitäten, die du für dich gewählt hast.
- Auf Start vorbereiten
Tipp: Nehme zu Bewerbertagen oder Messen bereits einen Lebenslauf und ggf. ein Motivationsschreiben für einen bestimmten Beruf mit. Manche Firmen nehmen diese auch spontan auf Messen entgegen.
Tipps für deine Bewerbung findest du in unserem Magazinbeitrag zum Schreiben einer Bewerbung.
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Arzt, Lehrer und Informatiker – Klassische Berufswünsche für die es ein Studium benötigt. Doch was ist, wenn die Noten nicht reichen für ein Studium? Was ist dann der Plan B? Viele Schülerinnen und Schüler haben darauf keine Antwort, sagt Kathrin Storch, Leiterin der Berufsorientierung bei der ZAW Leipzig. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Ihnen Alternativen aufgezeigt werden, wie sie Ihre Berufswünsche auf anderen Wegen erreichen können.
Laut OECD Studie passen bei 1/5 der Personen im Alter von 15 Jahren Berufswunsch und Qualifikationsweg nicht zusammen. Deswegen stellen wir euch hier ein paar alternative Karrierewege zu beliebten Berufs- und Studienwünschen vor.
Was viele nicht wissen, alternative Karrierewege über eine Ausbildung sind häufig kürzer als ein Studium und bieten zudem die Möglichkeit, bereits Geld und Erfahrung zu verdienen. Deswegen zeigen wir euch jetzt 5 alternative Bildungswege zu diversen Studiengängen:
| Lehrer | Ausbilder |
|---|---|
| 2 Jahre Abi | 2 bis 3,5 Jahre Ausbildung nach Wahl |
| Ca. 6,5 Jahre Studium und Referendariat | 2 Vollzeit Wochen Ausbilderschein |
| Dauer insgesamt 8,5 Jahre | Dauer Insgesamt max. 4 Jahre |
| Informatik – IT | SPS-Fachkraft |
|---|---|
| 2 Jahre Abi | 3,5 Jahre Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik |
| Ca. 3 Jahre Studium | Ca. 2 Monate Weiterbildung in SPS-Technik |
| Gesamtdauer ca. 5 Jahre | Gesamtdauer 4 Jahre |
| BWL | Wirtschaftsfachwirt |
|---|---|
| 2 Jahre Abi | 3,5 Jahre Ausbildung mit Wirtschaftlicher Vertiefung (z.B. Industriekaufmann/ -frau) |
| Ca. 3 Jahre Studium | 1,5 Jahre oder 3 Monate Weiterbildung |
| Gesamtdauer ca. 5 Jahre | Gesamtdauer 4 Jahre |
| Ingenieur | Meister oder Techniker |
|---|---|
| 2 Jahre Abi | 3,5 Jahre Ausbildung |
| Ca. 3 Jahre Studium | 1,5 Jahre oder 3 Monate Weiterbildung |
| Gesamtdauer ca. 5 Jahre | Gesamtdauer 4 Jahre |
| Soziale Arbeit | Geprüfter Aus- und Weiterbildungspädagoge |
|---|---|
| 2 Jahre Abi | 3,5 Jahre Ausbildung nach Wahl |
| Ca. 3 Jahre Studium | 1,5 Jahre (Berufsbegleitend) oder3 Monate (Vollzeit) Weiterbildung |
| Gesamtdauer ca. 5 Jahre | Gesamtdauer 4 bis 5 Jahre |
Natürlich sind die aufgezeigten Alternativen keine eins zu eins Vergleiche, doch insbesondere für Personen ohne Abitur, oder die es sich nicht vorstellen können, zu studieren, bieten sie solide Karrieremöglichkeiten mit ähnlichen, wenn nicht sogar interessanteren Aufgabenbereichen. Schlussendlich bleibt zu sagen, dass man weder mit einer Ausbildung noch mit einem Studium eine falsche Wahl trifft.
Wichtig ist nur, dass es zu einem selbst passt.
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